“Rasenmäher-Rambo”

10. Juni 2010

Auch ein Beitrag zum Jahr der Stille -;-). Aus einem bekannten Lied von Reinhard Mey:

Wenn der Sommer kommt, hilft nur die Flucht ins Zimmer.
Irgendein Depp mäht irgendwo immer.
Ein Rasenmäher-Rambo mäht wie von Sinnen
Direkt durch die Wand, den hörst du auch noch drinnen.
Der Ausstoß stickstoffwolkenblauer Auspuffgase
Bringt ihn in Verzückung, treibt ihn zur Extase.
Er metzelt alles nieder und macht alles platt,
Was Ähnlichkeit mit einem Grashalm hat.
Ob Rasentraktor oder Kantentrimmer,
Irgendein Depp mäht irgendwo immer.
Von Oberpfaffenhofen bis nach Gütersloh,
Irgendein Depp mäht immer irgendwo.

(Reinhard Mey)

Gute Paten, schlechte Paten

1. Juni 2010

Für ein Buchprojekt des Bonifatiuswerks habe ich einen offenen Brief an eins meiner Patenkinder geschrieben. Hier ein “Vorabdruck”:

Lieber Lars,

merkwürdig, Dir so öffentlich zu schreiben. Merkwürdig überhaupt, Dir zu schreiben. Kennst Du mich eigentlich noch?

Neulich las ich in „facebook“, wie sich ein Patenonkel anlässlich der Konfirmation regelrecht von seinem Patenkind verabschiedete. „Ich habe Dich 14 Jahre lang begleitet. Nun sind wir am Ziel.“ Mich hat das ein bisschen befremdet. Ist denn so ein Paten-Verhältnis nur eine Beziehung auf Zeit?

Dann bist Du mir eingefallen. Und ich habe ein schlechtes Gewissen bekommen. Denn irgendwie ist bei uns ja auch schon vor langer Zeit der Gesprächsfaden abgerissen. Rund um die Konfirmation war das wohl. Oder ein bisschen später.

Das hatte Gründe, klar. Deine Eltern haben sich getrennt. Und unsere Freundschaft zu ihnen wurde dadurch erheblich komplizierter. Irgendwie. Wen soll man künftig besuchen? Wen einladen? Ihn? Sie? Beide? Am Ende haben wir dann keinen mehr eingeladen oder besucht. Und Du bist dabei beinahe unbemerkt mit durchs Beziehungsraster gefallen.

Überhaupt habe ich ein bisschen darüber nachgedacht, nach welchen Kriterien man eigentlich Paten aussucht. Zu unserer Zeit hat man sich meist für gute Freunde entschieden. Nicht für Verwandte. Die hatte man ja ohnehin. Was wir aber nicht bedacht haben: Freundschaften unterliegen dem Auf und Ab und Hin und Her des Lebens. Man zieht in eine andere Stadt. Man entwickelt andere Interessen. Man lebt und denkt und fühlt sich auseinander. Erst dann merkt man, dass das Patenschaftsverhältnis ein Teil des Systems war. Und wenn das System ausfällt …

Nein, ich war wohl kein besonders guter Patenonkel. Klar, ich habe immer wieder einmal für Dich gebetet. Aber schon die Geschenke zum Geburtstag und zu Weihnachten hat meist meine Frau ausgesucht. Ich hab nur gnädig dazu genickt und die Karte unterschrieben.

Wir hätten uns mal treffen sollen. Nur wir zwei. Mal reden. Mal was unternehmen. Das wäre was gewesen! Patenonkel und Patentanten passen ja vielleicht ganz prima in die Gesprächslücke, die immer dann entsteht, wenn die Beziehung zu den Mamas und Papas schwierig wird. Aber ich weiß längst: „Hätte“ und „wäre“ sind zwei Firmen, die in Insolvenz gegangen sind. Und eigentlich habe ich das ja auch nur viel zu selten mit meinen eigenen Kindern geschafft.

Weil ich’s nicht geschafft habe? Oder weil ich’s nicht gewollt habe?

Ist doch komisch: Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man’s meist auch. Dann hat man auch die nötige Zeit. Und das nötige Kleingeld.

Ich muss Dich also einfach um Verzeihung bitten. Und hoffe, dass Du inzwischen vielleicht sogar ein bisschen Verständnis hast. Schließlich bist Du selbst längst in einem Alter, in dem man eigene Kinder hat. Oder Patenonkel ist.

Vielleicht aber machst Du’s ja besser. Ich bewundere die jungen Väter heute. Die reden nicht nur davon, wie wichtig die Familie ist. Die leben das auch. Ich weiß, wovon ich spreche. Mein Sohn geht demnächst in Elternzeit …

Gibt es eigentlich auch eine Patenzeit? Na, wenigstens ein Patentag wäre von Zeit zu Zeit eine gute und sinnvolle Einrichtung.

Vielleicht rufe ich Dich ja in den nächsten Wochen mal an. Wenn ich mich traue. Oder .. meldest .. Du .. Dich .. vielleicht .. mal? Wär mir ja eigentlich viel lieber: Denn ich hab ein bisschen Angst davor, Du könntest fragen: „Wer ist da bitte?“

Aber es gibt ja zum Glück nach wie vor den „vermittelten“ Kontakt. Beten kann ich ja jederzeit für Dich! Dir Gutes von Gott zukommen lassen. Via Himmel.

Ich glaub, das mach ich gleich jetzt.

Liebe Grüße! Und vielleicht auf bald!
Dein Jürgen

… und Gottes Segen

5. Mai 2010

Das ist weit verbreiteter Geburtstagswunsch unter Christen: “Ich wünsche Dir alles Gute und Gottes Segen!” Klingt fromm. Ist es in Wahrheit aber nicht. Denn wie könnte Gottes Segen ein Zusatz zu “allem Guten” sein! Gottes Segen ist alles Gute! Das Beste, das Himmel und Erde zu bieten haben! Seine ungeteilte Zuwendung. Seine unkaputtbare Liebe. Seine unüberbietbaren Wohltaten.

Gottes Segen ist wie ein wärmender Mantel im Nachtfrost, wie eine Schutzhütte im Unwetter, wie ein lösendes Wort in der Sprachlosigkeit. Gottes Segen ist alles. Leben und Liebe. Luft zum Atmen. Licht zum Wachsen und Reifen. Gottes Segen ist “alles Gute”.

Gottes Segen ist er selbst.

Nur ein bisschen Asche

19. April 2010

Nur ein bisschen Asche – und der komplette Flugraum über Europa ist dicht. Dabei hatten wir doch immer angenommen, wir hätten alles im Griff. Wären die Herren – und Damen! – des Forschritts! Und des Niedergangs! Die Meister der Welt!

Gott ist kein Zyniker. Zum Glück. Aber vielleicht lächelt er nun doch ein bisschen mitleidig und erbarmungsvoll über uns. Würden wir zurück lächeln, wäre viel gewonnen.

Heftig auferstanden!

26. März 2010

Eben erzählt mir eine Religionsglehrerin eine wunderschöne Ostergeschichte:

„Ich geb grad wieder Religionsunterricht und erzählte heute die Ostergeschichte einer 1. Klasse. Am Ende übe ich mit den Kindern den Ostergruß der ersten Christen. Ich grüße sie mit: ‚Der Herr ist auferstanden!’, und sie antworten brav: ‚Er ist wahrhaftig auferstanden!’ Das üben wir einige Male, immer mit einem kleinen Liedchen dazwischen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich versäumt habe das Wort ‚wahrhaftig’ zu erklären …
Später in der gleichen Stunde sage ich wieder (diesmal ohne Ankündigung und Anweisung): ‚Der Herr ist auferstanden!’ Erst antwortet keiner, weil sie nicht so drauf vorbereitet waren. Dann sagt ein kleines 7-jähriges Mädchen zaghaft, aber doch seiner Sache gewiss, mit überzeugter Stimme: ‚Er ist g a n z h e f t i g auferstanden!!!’

Das war so toll! Ich musste so lächeln und gleichzeitig fielen mir diese Worte viel tiefer ins Herz als die ‚richtigen’. Ja, er ist wirklich ganz heftig auferstanden und nicht nur so lyrisch, poetisch verkünstelt. Und er lebt ganz heftig! Und ich will mich noch einmal aufmachen zu glauben, dass er auch ganz heftig eingreift in meinem Leben. Das ist auch ganz heftig nötig…“

Keine Panik im Himmel – Erinnerungen an Corrie ten Boom

3. März 2010

Bald erscheint ein kleines Buch mit Radioandachten der holländischen Evangelistin Corrie ten Boom, die 1983 gestorben ist. Ich habe ein kleines Vorwort geschrieben. Voilà:

Wir trafen uns 1974 am Rande des ersten Weltkongresses für Evangelisation im Palais de Beaulieu in Lausanne. Es war die Geburtsstunde der Lausanner Bewegung. Seit Tagen schon war referiert, analysiert und diskutiert worden: Wie können wir die Welt möglichst rasch und möglichst effektiv mit dem Evangelium erreichen. Im Foyer des Kongressgebäudes stand eine große digitale Anzeigetafel, auf der abzulesen war, um wie viele Menschen die Weltbevölkerung seit Beginn des Kongresses gewachsen war. Eindrucksvoll und auch ein bisschen bedrohlich. Denn die Zahl der Christen wuchs erheblich langsamer. Alles sollte die Dringlichkeit der Mission verdeutlichen.

Corrie ten Boom lächelte gütig und verschmitzt, als ich sie mit dem Mikrophon in der Hand nach ihrer Einschätzung fragte. Und dann sagte sie einen Satz, der mich seitdem nicht mehr losgelassen hat:

„Ach, wissen Sie, es gibt kein Panik in Himmel!“ Panik mit Betonung auf em i.

Wie entlastend, wie befreiend! Und wie motivierend!

Dabei war sie selbst jahrzehntelang unermüdlich unterwegs um Menschen die Botschaft von der Vergebung und Versöhnung zu bringen. Aber niemals verkrampft und verbissen. Niemals nach exakt geplanten strategischen Vorgaben. Niemals getrieben. Aber immer geschickt. Gesandt. Immer freundlich und entspannt. Immer mit der Liebe und Gelassenheit Gottes im Herzen und in den Augen.

Evangelisten sind immer originell. Corrie ten Boom aber war ein besonderes Original. Mein Freund Tom Lowell, viele Jahre Präsident von Trans World Radio, erzählte einmal, sie habe ihn öfter in seinem Haus besucht. Und immer habe sie sich Zeit für die Kinder genommen. Habe ihnen die Geheimnisse Gottes auf besonders anschauliche Weise erklärt. So hatte sie meist einen kleinen handgewebten Teppich in ihrem Gepäck. Dessen Rückseite zeigte sie den Kindern und erzählte: „So sieht unser Leben oft aus. Ein wirres und scheinbar ungeplantes Durcheinander von Fäden, Farben und Formen. Doch eines Tages dreht Gott den Teppich um – und dann sehen wir, was der Sinn von allem war: Welch wunderschöne Muster die scheinbar wirr laufenden Fäden hervorgezaubert haben.“

Trans World Radio ist der internationale Partner von ERF Medien. Ich bin glücklich, dass wir über viele Jahre Ansprachen dieser außergewöhnlichen Frau ausstrahlen durften. Ihre Bilder und Geschichten haben nichts von ihrer Anschaulichkeit eingebüßt. Und ihre Botschaft ist ewig jung.

Wärst da nur du

21. Februar 2010

Ein Werth-Text für Siegfried Fietz. Ein Beitrag zum Jahr der Stille:

Wärst da nur du

Wärst da nur du – nur lauter Himmel und nicht Erde
Mein guter Gott, bei dem ich leicht und heiter werde
Wärst da nur du – da wärn statt Wolken lauter Geigen
Ich ließ mir gern von dir die Ewigkeiten zeigen

Wärst da nur du – ich ließe alles stehn und liegen
Würd ohne Angst und ohne Zögern zu dir fliegen
Wärst da nur du – ich würd mich nach der Stille sehnen
Und mein Gebet nicht mehr verkürzen sondern dehnen

Doch ist da auch – der, dem ich aus dem Wege gehe
Und dem ich nicht so gerne in die Augen sehe
Ich treffe mich. So wenig Himmel, so viel Erde
Und so viel Nacht, von der ich stumm gefesselt werde

Ich treffe mich. Und alle Zweifel, alle Sorgen
Und alle Schuld und alle Ängste vor dem Morgen
Ich treffe mich und all die Schatten auf der Seele
Mein müdes Herz und dieser Kloß in meiner Kehle

Doch neben dir müssen die Dunkelheiten weichen
Du willst das Grau in den Erinnerungen bleichen
Kann das denn sein? Du läufst nicht weg vor meinen Fragen
Und ich darf was ich kaum zu denken wage sagen

Du schaust mich an, und Eis und Schnee beginnt zu tauen
Kann dir und mir so wieder in die Augen schauen
Ziehst bei mir ein mit deinem Mut und deiner Liebe
Weiß keinen Ort, wo ich auf ewig lieber bliebe

Da bist nur du – nur lauter Himmel und nicht Erde
Mein guter Gott, bei dem ich leicht und heiter werde
Da bist nur du – da sind statt Wolken lauter Geigen
Ich lass mir gern von dir die Ewigkeiten zeigen

Da bist nur du – ich lasse alles stehn und liegen
Werd ohne Angst und ohne Zögern zu dir fliegen
Da bist nur du – ich darf mich nach der Stille sehnen
Und mein Gebet nicht mehr verkürzen sondern dehnen

Jürgen Werth

Old friends are coming back to me

5. Februar 2010

Fast 40 Jahre haben wir uns nicht gesehen. Heute haben wir uns wieder getroffen. Wo? Im Internet! Wo sonst! Facebook macht’s möglich. “Ich freue mich über unseren neuen-alten Kontak!” schreibt er. Und: “Lass uns in Verbidnung bleiben!”

Ob’s gelingt?

Gestern eine ähnliche Situation. “Suchst einfach mal nach Fred Field!” hab ich mir gesagt. Und hab ihn auch prompt gefunden. Fred Field. Früher bei Love-Song. Dann Gründer und Chef der Noah’s Band. Er hat meine ersten Lieder arrangiert und produziert. Für die junge welle. 1974 oder so. Oh oh … “I remember!” schrieb er. “Pardon my ignorance, but what is ERF? Wait, is ERF Evangelische Rundfunk? Yes, my memory may be coming back to me…”

Old friends are coming back to me.

Und was mach ich jetzt mit ihnen?

Immer dasselbe …

21. Januar 2010

Unterhalten sich zwei Christen aus zwei verschiedenen Gemeinden. „Unsere Gemeinde wird dem Herrn immer ähnlicher!“ sagt der eine. „Wirklich?“ staunt der andere. „Ja“, schmunzelt der Erste. „Immer dasselbe. Gestern, heute und in alle Ewigkeit.“

Ein Cartoon aus den USA. Zum Glück nicht von hier …

Jemen-Geiseln leben!

8. Januar 2010

Während ich die nächsten Wartburg-Gespräche zum Thema Religionsfreiheit vorbereite, platzt eine schier unglaubliche dpa-Nachricht ins Haus:

“Die im Jemen verschleppte Familie aus Sachsen ist nach Angaben der Regierung am Leben. Das erklärte Vize-Ministerpräsident Raschad al-Alami am Donnerstag in der jemenitischen Hauptstadt Saana. ‘Wir haben bestätigte Informationen, dass sie leben’, sagte Alami. Die fünfköpfige Familie aus der Nähe von Bautzen sowie ein Brite befänden sich in der Hand der schiitischen Houthi-Rebellen. Laut Alami werden die Deutschen gezwungen, verwundete Rebellen zu versorgen.”

In einer Pressemitteilung der Evangelischen Allianz habe ich dazu geschrieben:

“Wir sind erleichtert, dass es ein erneutes Lebenszeichen der Familie Hentschel aus Sachsen gibt … Sie pflegen jene Menschen, die ihnen Schlimmes angetan haben und durch die Geiselhaft weiter antun. Damit haben sie eine Aufgabe übernommen, die Jesus Christus vorgelebt und seinen Nachfolgern aufgetragen hat: Liebt eure Feinde!”

Bereits Anfang dieser Woche hatten wir in der Deutschen Evangelischen Allianz beschlossen, in der Sonntag beginnenden “Allianz-Gebetswoche” in besonderer Weise für die entführte Familie zu beten. Das wollen wir nun um so zuversichtlicher tun.